Billiard
Billard ist ein Spiel, bei dem zwei Personen oder zwei Teams gegeneinander spielen.
Es wird mit Billardkugeln (oft auch Bälle genannt) und dem so genannten Queue auf einem mit einem Billardtuch bespannten Billardtisch gespielt. Die Kugeln bestehen heute meist aus einem hochwertigen Phenolharz wie Aramith. Mit dem Queue wird die weiße Kugel gestoßen.
Die deutsche Schreibweise Billard entspricht der französischen Herkunft. Die verbreitete (falsche) Schreibweise Billiard entstammt der englischen Sprache. Das französische Wort bille bezeichnet eine kleine Kugel, einen Ball oder eine Murmel.
Beim Billard unterscheidet man bis zu 35 Spielarten. Die populärsten davon sind Poolbillard, Snooker, Carambolage, Kegelbillard, Russisches Billard und English Billiards.
Namensherkunft:
Die Ursprünge des Billard-Begriffs sind nicht eindeutig geklärt. Eine Geschichte weist sowohl auf Billard als auch das Queue hin: So soll der englische Pfandleiher Bill Kew um 1550 gern mit einem hölzernen Yard (damals die Bezeichnung für ein englisches Messinstrument) Bälle gezielt auf dem Boden seines Büros hin- und hergeschlagen haben. Daraus könnte „Bill's Yard“ oder Cue entstanden sein.[1] Eine weitere Möglichkeit ist das französische Wort Bille (für dt. Kugel)[2] oder eine Verbindung aus den Wörtern Bille und Yard.
Spieltechnik:
Es gibt mehrere Stoßtechniken. Zunächst ist zwischen einem Stoß, der die weiße Kugel exakt in der Mitte trifft (in Fortsetzung einer Geraden) und einem Effetstoß (dezentral) zu unterscheiden. Der Effetstoß dreht die weiße Kugel an und ermöglicht so die Kugel zu einem bestimmten Laufverhalten zu veranlassen (z. B. Bogenstoß) oder eine bessere Ablage zu erhalten (z. B. Rückläufer). Im geringen Maße überträgt sich ein negativer Effet auch auf die angespielte Kugel. Dabei sollte der Unterarm gerade bleiben und es sollte ein rechter Winkel (90°) zwischen Unter- und Oberarm entstehen.Trifft man die Kugel in der (vertikalen und horizontalen) Mitte, so wird sie zunächst ein wenig vom Queue geschoben, danach rutscht sie – abhängig von der Stärke des Effets – über das Tuch. Nach einer vom Material abhängigen Laufdistanz beginnt sie wegen der Reibung auf dem Tuch zu rollen. Ein Stoß, der die weiße Kugel außerhalb der Mitte trifft, führt zu einer Drehung der Kugel um ihre eigene Achse. Zusätzlich zum Impuls, mit dem man die primäre Laufrichtung bestimmt, wird die Kugel in Rotation versetzt. Je nachdem, wo die Kugel mit dem Queue getroffen wird, hat dies unterschiedliche Wirkungen:
Oberhalb der Mitte: Die weiße Kugel wird, nachdem sie eine andere Kugel zentral getroffen hat, dieser nachlaufen. Daher heißt dieser Stoß Nachläufer oder auch Laufball.
Unterhalb der Mitte: Die weiße Kugel wird nach dem zentralen Auftreffen auf eine andere Kugel zurücklaufen (daher heißt dieser Stoß Rückläufer oder Zugball), oder ihren Lauf verlangsamen oder – beim so genannten Stoppball – genau an dieser Position liegen bleiben, falls die weiße Kugel nach dem Auftreffen auf die farbige Kugel keine vorwärts- oder rückwärtsrotierende Energie besitzt.
In beiden genannten Fällen, wie auch beim Rechts- bzw. Linkseffet, wird annähernd die gesamte Translationsenergie (die Energie, die in der Vorwärtsbewegung steckt) auf den getroffenen Ball übertragen, während die im Spielball enthaltene Rotationsenergie zu dem beschriebenen Effekt führt. Wird nicht völlig zentral getroffen, teilt sich – in Relation zur Abweichung des Anspielpunktes von der Mitte – die Translationsenergie zwischen den
Bällen auf und diese laufen in unterschiedliche Richtungen. Das ruhige Nachführen des Queues ist hierbei wichtiug. Ein kurzer, abgehackter Stoß führt dazu, dass der Effet nur
kurz anhält und vor Erreichen des Zielballs in zusätzliche Translationsenergie übergegangen ist (Nachläufer) oder von der Reibung kompensiert wurde (Rückläufer).
Solange der Effekt wirkt, rollt der Ball nicht seinen Umfang auf dem Tuch ab, sondern rutscht im Idealfall über das Tuch bis zum Erreichen des anvisierten Balls.Rechts oder links der Mitte (seitlicher Effet):
Die weiße Kugel wird nach geradem Auftreffen auf eine Bande nicht gerade zurücklaufen. Dieser sogenannte seitliche Effet ändert den Winkel zu der Seite, auf der man die weiße Kugel angespielt hat.
Besonders bei den technischen Disziplinen im Carambolage (Freie Partie, Cadre) wird dieser Effet dazu eingesetzt, um den angespielten Ball 2 wieder korrekt zu positionieren.
Die Rotation wird beim Auftreffen – wie zwischen zwei verbundenen Zahnrädern – als Gegeneffekt übertragen und wirkt sich nach dem Berühren einer Bande sichtbar aus (Serienspiel).
Alle diese Möglichkeiten lassen sich kombinieren, um beispielsweise der weißen Kugel nach dem Versenken einer anderen Kugel eine ganz bestimmte Laufrichtung zu geben. Nur so lassen sich exakte Positionen erreichen, um das Spiel fortzusetzen.
Die höchste Treffwahrscheinlichkeit erreicht man immer, wenn man die Kugel in der Mitte anspielt. Weiterhin gibt es sogenannte Kopfstöße, die besonders bei Trick-Shots und beim „Kunststoß“ (heute: Billard Artistique), aber auch regelmäßig bei den technischen Disziplinen des Carambolage Anwendung finden. Kopfstöße (Massé, Piqué) bewirken beispielsweise, dass die Kugel einen deutlich sichtbaren Bogen beschreibt, sich zunächst
vorwärts und dann ohne weiteren Ball- oder Bandenkontakt rückwärts bewegt, dieselbe Bande oder angrenzende Banden gleich mehrfach hintereinander berührt oder gar von der
Tischplatte abhebt. Die weiße Kugel wird hierzu mit einem Winkel von ungefähr 30 bis 90° von oben gestoßen. Es gibt jedoch Regeln, die diese und andere Trickstöße, wie z. B. den Jump Stoß beim Pool begrenzen.
Billiard Spielarten
Poolbillard
Poolbillard wird mit einem Spielball (die Weiße) und einer bestimmten Anzahl an
Objektbällen (die Farbigen) gespielt.
Der Spielball darf als einzige Kugel direkt mithilfe des Queues gespielt werden. Die
Spieler haben abwechselnd je eine Aufnahme. Die Aufnahme ist beendet, wenn der Spieler in
einem Stoß keine Kugel regelgerecht lochen konnte.
Die populärsten Unterarten von Poolbillard sind 8-Ball, 9-Ball, 10-Ball und 14 und 1 endlos.
Snooker
Das Spielprinzip beim Snooker besteht darin, 15 rote und 6 andersfarbige Bälle (die Farbigen) nach bestimmten Regeln zu versenken. Ähnlich wie im Poolbillard darf nur die Weiße mit dem Queue berührt werden und die Spieler haben abwechselnd je eine Aufnahme. Allerdings ist der Snookertisch um einiges
größer als der Poolbillardtisch und die Taschen sind kleiner und anders geformt.
Carambolage
Beim Carambolage, auch Karambol, wird nur mit drei Kugeln gespielt, die in der Regel die Farben Rot, Weiß und Gelb haben.
Im Gegensatz zum Poolbillard oder Snooker werden hier keine Kugeln in Taschen versenkt, der Tisch hat keine Löcher. Stattdessen geht es darum mit dem Spielball die anderen beiden Kugeln nach bestimmten Regeln zu treffen.
Die bekanntesten Variationen sind die Freie Partie, Cadre, Einband, Dreiband sowie Billard Artistique
Kegelbillard
Beim Kegelbillard ist das Ziel mit dem bespielten Ball möglichst viele Kegel umzuwerfen. Als Spieltisch wird ein kleinerer Carambolagetisch mit den Maßen 180 x 90 Zentimeter verwendet. In der Mitte des Tisches werden fünf oder neun Kegel aufgestellt. Das Spiel wird mit drei Carambolage-Bällen gespielt.
Die bedeutendsten Variationen 5-Kegel-Billard, 9-Kegel-Billard sowie das Billard-Kegeln.
Russisches Billard
Russisches Billard ist eine Billardvariante, die vor allem in Russland und den GUS-Staaten sehr populär ist.
Gespielt wird auf einem 12-Fuß Tisch mit 16 Kugeln, die mit 68 Millimeter Durchmesser noch größer sind als Carambolage-Kugeln. Die Breite des Tascheneinlaufs beträgt 73 Millimeter (Ecktaschen), womit der Abstand einer zu versenkenden Kugel zu beiden Seiten der Tasche jeweils höchstens 2,5 Millimeter beträgt.